Wenn der Westen die Menschlichkeit frisst, wie eine gute Portion Arsch-Jerkey.
Als Kind habe ich Bud Spencer und Terence Hill Filme geliebt. Daher dachte ich auch, dass das lustige Leben im wilden Westen primär aus Bohnenpfanne, blauen Augen und Whisky besteht. Meine erste Johnny Cash Schallplatte hat dann meinen Blick auf Männer in schwarzen Klamotten geändert.
Es gibt zwei Arten von Cowboys:
- Die, die in den Sonnenuntergang reiten.
- Die, die im Morgengrauen mit dem Töten anfangen. Manch einer killt seine Gegner halt gerne vor dem Frühstück.
Und genau da stehen wir heute. In der Ecke links: der Ghoul aus Fallout, ein wandelndes Argument für Hautpflege und Hoffnung, offiziell bekannt als Cooper Howard (früher mal Mensch, früher mal Star, früher mal jemand, der vermutlich wusste, wie Seife funktioniert). In der Ecke rechts: der Man in Black aus Westworld, offiziell bekannt als William, ein Mann, der so viel Geld hat, dass er Moral nur noch als optionales Add-on kennt.
Beide sind zynische Killer mit Cowboy-Kostüm, beide treiben ihre jeweiligen Welten voran wie ein schlecht gelaunter Motor, und beide sind Popkultur-Symptome einer Zeit, in der wir uns offensichtlich nur noch lebendig fühlen, wenn ein Hutträger irgendwas in Grund und Boden ballert.
Warum „Untote Cowboys“ überhaupt funktionieren
Der Cowboy ist die perfekte Projektionsfläche: Freiheit, Gewalt, Regeln aus Glas, und ein Horizont, der so weit ist wie eure Geduld bei GTA6. Der moderne Twist ist nur: wir glauben nicht mehr an Helden. Wir glauben an Antihelden, weil Antihelden ehrlich sind. Sie sagen: „Die Welt ist kaputt.“ Und wir denken: „Endlich checkt es jemand.“
In Fallout und Westworld wird der Cowboy nicht romantisiert, sondern rekonstruiert:
- Der eine wird durch Strahlung zum wandelnden Wrack, das trotzdem weiterläuft.
- Der andere wird durch Reichtum zum wandelnden Wrack, das trotzdem weiterläuft.
Das Ergebnis ist in beiden Fällen dasselbe: ein Cowboy, der nicht mehr rettet, sondern richtet.
Der Ghoul: Cooper Howard, der zerschossene Showstar, der nicht sterben durfte
Vom Werbegesicht zum Wüstengericht
Der Ghoul ist nicht einfach „ein Ghoul“. Der Ghoul ist ein Konzept. Was passiert, wenn du einen Menschen nimmst, ihn in Apokalypse marinierst, 200 Jahre ziehen lässt und dann als Kopfgeldjäger wieder aus dem Boden holst?
Faktisch ist er Cooper Howard, früher Schauspieler, später das Werbegesicht von Vault-Tec, und irgendwann nur noch „der Ghoul“, weil Menschen gerne alles labeln, was sie nicht verstehen (oder nicht riechen) wollen.
Ghouls sind in dieser Welt posthumane Überlebende, deren Körper durch Strahlung entstellt wurden. Beim Ghoul ist das nicht nur Deko, sondern Dramaturgie: Sein Gesicht ist eine dauerhafte Erinnerung daran, dass „früher“ vorbei ist.
Familie, Verlust, und der lange Schatten von Vault-Tec
Was den Ghoul gefährlich macht, ist nicht nur seine Treffsicherheit, sondern seine Motivation: Er ist nicht „cool“. Er ist kaputt. Und er hat eine Vergangenheit, die ihn wie ein rostiger Haken festhält. Barb Howard, seine Frau, ist eine zentrale Verbindung zu Vault-Tec.
Wozu er da ist: Der Ghoul als moralischer Presslufthammer
In Fallout funktioniert der Ghoul als das, was man einen erzählerisches Brecheisen nennen könnte:
- Er erklärt euch die Welt, indem er sie zynisch kommentiert.
- Er zwingt andere Figuren, Position zu beziehen: „Wirst du wie ich, oder bleibst du du?“
- Er macht Konflikte sichtbar, weil er sie mit Gewalt unterstreicht.
Und ja, aktuelle Berichte über seine Rolle als ständiger Gegenpol zu Lucy finden sich sogar in jüngeren Zusammenfassungen und Interviews, die das Verhältnis als „Road Trip“ rahmen.
Der Man in Black: William, der Milliardär, der sich im Labyrinth selbst gefunden hat
Vom weißen Hut zur schwarzen Bilanz
William ist der Albtraum jedes Ethik-Seminars: Anfangs wirkt er wie jemand mit Prinzipien, später wie jemand, der Prinzipien nur noch benutzt, um sie zu brechen. In Westworld ist der Wandel vom idealistischen Besucher zum Man in Black ein Kernmotiv, inklusive der Verbindung zu Logan und der symbolischen „Hut“-Metamorphose.
Macht als Freizeitpark
Der Man in Black ist nicht nur ein Typ mit Revolver. Er ist ein Typ mit Revolver und Einfluss. Er wird in den Quellen als wohlhabend, philanthropisch außerhalb des Parks und als jemand beschrieben, der tieferliegende Ebenen der Welt erzwingen will. Und weil Reichtum bei Menschen gerne die gleiche Wirkung hat wie Strahlung, nur ohne Geigerzähler, wird aus „Suche nach Bedeutung“ irgendwann „Suche nach dem nächsten Kick“.
Tragödie als Treibstoff
Was Williams Figur so effektiv macht, ist, dass er nicht als reiner Slasher existiert. Er ist die Art Monster, die sich selbst als Hauptfigur sieht. Die Texte über ihn betonen genau dieses Missverständnis: Er hält seine Sünden für „Spielregeln“ oder „Bestimmung“, obwohl sie Entscheidungen sind. Genau das ist der Kernpunkt.
Wozu er da ist: Der Man in Black als Plot-Parasit, der zum Plot-Motor wird
Der Man in Black erfüllt in Westworld mehrere Rollen gleichzeitig:
- Er ist Antagonist, der Grenzen testet.
- Er ist Katalysator, der Geheimnisse aufdeckt.
- Er ist Spiegel, weil er zeigt, was passiert, wenn man Freiheit nur als Erlaubnis zur Grausamkeit versteht.
Er ist also im Kern der Typ, der auf eine Tür mit „Nicht eintreten“ starrt und sagt: „Das klingt wie eine Einladung.“
Gemeinsamkeiten: Zwei Cowboys, ein Kontinent aus kaputten moralischen Kompassen
- Beide tragen Western-Items: Hut, Revolver, stoische Silhouette.
- Beide sind Zyniker: Hoffnung wird nicht bekämpft, sie wird ausgelacht.
- Beide sind „Killer mit Kodex“: Der Kodex ist nur leider oft „Ich zuerst“.
- Beide sind wandelnde Geschichtsarchive: Der Ghoul, weil er lange genug lebt, um alles zu sehen. William, weil er lange genug zahlt, um alles zu besitzen.
- Beide treiben andere Figuren zur Entscheidung: Nähe zu ihnen ist wie Nähe zu einem defekten Toaster. Entweder ihr zieht den Stecker oder es wird ziemlich warm.
Und das ist kein Zufall. Beide Welten benutzen diese Figuren als Schnittstelle zwischen Zuschauerblick und Weltlogik: Ihr lernt nicht nur die Umgebung kennen, ihr lernt auch, wie man in ihr moralisch abstürzt.
Untoter Überlebenskünstler vs. lebender Labyrinthläufer
Der eine ist körperlich ruiniert, der andere seelisch. Beide sind trotzdem nicht zu bremsen
1) Körper und Zeit
- Der Ghoul ist buchstäblich ein Produkt der Apokalypse und lebt über extrem lange Zeiträume hinweg als Ghoul weiter, während seine menschliche Identität erodiert.
- William bleibt biologisch „normal“, aber sein Selbstbild verrottet wie Obst in einer Designer-Schale. Er ist alt, reich, routiniert, und seine Obsessionen werden nicht schwächer, sondern präziser.
2) Machtbasis
- Der Ghoul hat Macht durch Skill: Überleben, Schießen, Einschüchtern, Verhandeln aus einer Position des „Ich habe schon Schlimmeres gerochen“.
- William hat Macht durch System: Geld, Besitz, Einfluss. Wenn der Ghoul eine Tür auftritt, kauft William das ganze Haus.
3) Ziel und Sinn
- Der Ghoul ist zielgerichtet: Er sucht, jagt, überlebt, klammert sich an Spuren seiner Vergangenheit, inklusive familiärer Verknüpfungen.
- William ist sinn-süchtig: Er jagt Bedeutungen, Rätsel, „Ebenen“. Seine Gewalt ist oft ein Werkzeug, um sich selbst als wichtig zu fühlen.
4) Humor
- Der Ghoul hat einen bösen Witz, der euch gleichzeitig zum Lachen und zum weinenden Duschen bringt.
- William hat keinen Humor. Er hat Monologe. Und Monologe sind lustig.
Wie sie den Plot voranbringen
Zwei Figuren als narrative Traktoren, die euch mitziehen, auch wenn ihr um Hilfe schreit
Der Ghoul als „Roadtrip-Klinge“
Der Ghoul bringt Fallout voran, weil er ein beweglicher Konfliktgenerator ist. Er ist nicht nur Begleiter, er ist ein dauerndes „Was kostet Menschlichkeit heute?“ auf zwei Beinen.
Aktuelle Recaps und Pressetexte zeigen ihn explizit als Teil des zentralen Handlungsstrangs rund um Lucy, inklusive Rettungsaktionen und Fraktionskollisionen. Der Decider Recap zu Lucy und Ghoul als Doppelstrang und die Einordnung als fortlaufender Roadtrip-Arc in People sind da ziemlich direkt.
Was das erzählerisch macht:
- Er zwingt Tempo: Wenn der Ghoul irgendwo auftaucht, bleibt niemand gemütlich.
- Er liefert Kontrast: Idealismus anderer Figuren wird neben ihm sichtbar wie Zahnpasta auf schwarzem Hoodie.
- Er enthüllt Vergangenheit: Flashbacks und Identitätsreste sind nicht Dekoration, sondern Plot-Treibstoff.
Der Man in Black als „Bedeutungs-Bohrer“
William bringt Westworld voran, weil er der Typ ist, der aus jeder Welt ein Rätsel macht. Sein Drang, „die tiefste Ebene“ zu finden, ist erzählerisch pures Gold, weil er:
- Geheimnisse anbohrt, die andere ignorieren würden.
- Figuren in extreme Situationen zwingt.
- Die Frage „Was ist echt?“ permanent eskaliert.
Das wird in Analysen immer wieder betont, inklusive seiner Rolle als Treiber der zentralen Mysterien und seiner Transformation zum kompromisslosen Suchenden.
Zahlen, die zeigen, warum diese Cowboys überall sind
Wenn ihr euch fragt, warum diese Art Figuren so dominant sind: Weil sie funktionieren. Und „funktionieren“ heißt im Entertainment-Ökosystem leider meistens „Kohle bringen“.
Westworld startete stark: Die Premiere lag bei rund 1,96 Millionen linearen Zuschauern, das Finale zog auf über 2,2 Millionen an.
Fallout ist inzwischen ein Streaming-Monolith: Amazon nannte 65 Millionen Zuschauer in 16 Tagen, und es wird berichtet, dass die Reichweite später 100 Millionen überschritten hat.
Kurz gesagt: Zynische Killer-Cowboys verkaufen sich, weil sie das aussprechen, was viele fühlen: „Die Welt ist ein Spiel, aber die Regeln sind Verhandlungssache.“
Was ihr daraus mitnehmen könnt
Wenn ihr den Ghoul und den Man in Black nebeneinanderstellt, lernt ihr aus Versehen etwas über euch selbst.
- Moral ist kein Outfit. Ein Hut macht euch nicht gut oder böse. Entscheidungen schon.
- Trauma ist ein Multiplikator. Beim Ghoul körperlich und biografisch, bei William psychologisch und existenziell.
- Macht macht nicht frei, sie macht bequem. Und Bequemlichkeit ist oft der erste Schritt zur Grausamkeit.
- Zynismus ist Schutz, kein Ziel. Beide Figuren benutzen Zynismus wie Rüstung, aber Rüstung heilt nichts.
Zwei Hüte, zwei Höllen, und ihr mittendrin
Der Ghoul ist das, was passiert, wenn die Welt untergeht und du trotzdem weitergehen musst, weil Aufgeben keine Option ist. Der Man in Black ist das, was passiert, wenn du dir die Welt kaufen kannst und trotzdem nichts findest, das dich füllt, außer dem nächsten Rätsel und dem nächsten Opfer.
Beide sind Cowboys, beide sind Killer, beide sind Zyniker. Und beide sind, auf ihre widerliche Art, extrem nützlich: Sie zeigen euch nicht, wie man die Welt rettet. Sie zeigen euch, wie sie kaputtgeht, wenn niemand mehr an etwas glaubt außer an sich selbst.
Ihr habt gerade einen Western über die Gegenwart gesehen.
FAQ für die Schnellleser
- Wer ist der Ghoul in Fallout?
Der Ghoul heißt Cooper Howard, war früher Schauspieler und Vault-Tec-Werbegesicht und ist später als Ghoul-Bounty-Hunter unterwegs. Wikipedia Profil und die Ergänzung zur Werbe-Maskottchen-Spur bei Nerdist. - Wer ist der Man in Black in Westworld?
Der Man in Black ist William. Bestätigung u.a. bei The Hollywood Reporter und die Entwicklung im Überblick bei Time. - Warum sind beide „Cowboys“ so wichtig für den Plot?
Weil sie Konflikt erzeugen, Geheimnisse erzwingen und andere Figuren moralisch positionieren. Beim Ghoul besonders sichtbar im Lucy-Strang, bei William als Mysterien-Treiber. (Decider)
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